Wissenschaft als Maßstab – kein Gewerbeschein für Humbug!

Warum wurde die Initiative „Wissenschaft als Maßstab – kein Gewerbeschein für Humbug“ gegründet und was sind ihre Ziele?

In erster Linie fordern wir Aufklärung und Schutz der Konsumenten. Um diesen Schutz zu erwirken werden wir ordentlich an den Türen und Mail-Accounts der Behörden rütteln.
Bei den Personen, die energetische/esoterische „Behandlungen“ in Anspruch nehmen, handelt es sich in der Regel um Patienten die vor Irreführung geschützt werden müssen. Es gibt medizinisch und wissenschaftlich betrachtet keine „energetischen Blockaden“. Hinter diesen Phantasienamen stecken psychische und physische Beschwerden. Geschädigte wissen häufig nicht an wen sie ihre Beschwerden richten können. Wir möchten mit unserer Initiative als Bindeglied zwischen Geschädigten und den zuständigen Anlaufstellen agieren und gemeinsam auch medial auf Missstände aufmerksam machen. Eine einzige Stimme verschafft sich oft nur schwer Gehör. Zusammen sind wir lauter, denn man kann gar nicht laut genug auf den um sich greifenden Humbug aufmerksam machen.

Wer vergibt diese Gewerbescheine für Human- und Tierenergetik?

Die WKO (Wirtschaftskammer Österreich). Die WKO ist die Körperschaft des öffentlichen Rechtes die unter anderem von den Pflichtmitgliedern finanziert wird. Das Bildungsinstitut WIFI (Wirtschaftsförderungsinstitut) verkauft die entsprechenden Energetiker-Kurse.
Jeder Mensch hat das Recht Humbug in Esoterikläden zu konsumieren. Allerdings muss eine klare Grenze vor Patienten gezogen werden. Diese Grenze kann in der Energetik nicht gezogen werden. Der Konsument muss darüber aufgeklärt werden, WAS genau hinter Aurabehandlung, Bachblütenessenzen usw. steckt, um darüber entscheiden zu können, ob er diese Methode zum angegebenen Preis in Anspruch nehmen möchte oder nicht. Solange die WKO irreführende Informationen verbreitet, solange das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft schützend die Hand darüber hält und solange das WIFI neben seriösen Kursen, wie der Kurs zum Erwerben des Staplerscheins, Humbug anbietet, wird der Bevölkerung ein seriöses Bild der fragwürdigen Behandlungsmethoden gezeichnet. Nirgendwo wird explizit darauf hingewiesen, dass die Methoden wissenschaftlich widerlegt sind  – ganz im Gegenteil. Das treibt Menschen mit körperlichen oder psychischen Problemen oft rasch in die Hände von Scharlatanen.

Muss man hinter allen Anbietern Scharlatane mit einzig kapitalistischen Absichten vermuten?

Nein. Ich möchte vielen ihre guten Absichten nicht absprechen. Aber gut gemeint reicht manchmal nicht aus. Neben den Energetikern mit gut gemeinten Absichten befinden sich aber auch Scharlatane und Abzocker – jene, die explizit von  der evidenzbasierten Medizin abraten. Zahlen und Infos hierzu findet man unter anderem auf der Seite der Bundesstelle für Sektenfragen (http://www.bundesstelle-sektenfragen.at). Auch die Selbstüberschätzung und das Überschreiten der Kompetenzen der energetischen und esoterischen Anbieter ist ein Problem. Ein paar Bücher über Psychologie oder die menschliche Anatomie gelesen zu haben, reicht nicht zum Behandeln und Beraten von Menschen und Tieren aus. Personen, bei denen es nicht für ein Medizinstudium gereicht hat, sollten nicht über Umwege der Energetik an Patienten herangelassen werden.

Aber es wird doch beteuert, dass eine „energetische Behandlung“ nicht den Arzt ersetze und keine Behandlung, Diagnose oder Beratung im medizinischen Sinne erfolgen darf. Die WKO legt auch klar ihre Standesregeln für Energetiker fest.

Man gucke sich die Websites vieler Energetiker an! Bei vielen wird ganz klar mit Know-How hinsichtlich Anatomie, Psychologie, Neurologie etc. geworben und mit medizinischen Begrifflichkeiten jongliert, welche dem Patienten/Klienten Kompetenz und Heilungschancen suggerieren. Manche tun dies subtil und andere schon sehr direkt. Die Standesregeln dienen allein der juristischen Absicherung.

Grenzt das an einer Täuschung der Konsumenten?

Das möchte ich nicht unterstellen. Ich würde aber von einem bewussten Nichterwähnen oder Ignorieren von Fakten sprechen, immerhin hat sich der Esoterik und Energetik-Markt zum riesigen Geschäftszweig entwickelt. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und die Wirtschaftskammer stellen die entsprechenden Gewerbescheine aus – das suggeriert den Konsument Seriösität und wirkt vertrauenswürdig.

Satirisch formuliert: Um den Gewerbeschein für Human- und Tierenergetik zu bekommen, muss man nicht einmal vor die Türe gehen. Stimmt das?

Ja, es wird einem erschreckend einfach gemacht. Um sich als Energetiker bezeichnen zu dürfen, muss man nur ein Formular ausfüllen und der zuständigen Bezirkshauptmannschaft einen Scan des Reisepasses mailen. Jeder Österreicher darf unter dem Deckmantel der „Energetik“ Rückenprobleme, Migräne, Mittelohrentzündungen, Burn Out usw. behandeln – natürlich ohne Heilversprechen. Offiziell. In Österreich ist die Ausübung der Medizin den Ärzten vorbehalten, anderen Personen – auch Personen mit einer Gewerbeberechtigung in einem sogenannten „Hilfestellergewerbe“- ist die Ausübung der Heilkunde verboten und ein Zuwiderhandeln zu bestrafen. Zur Beurteilung von derartigen Tätigkeiten ist darauf zu achten, ob diese den Eindruck erwecken, es werden (wenn auch im Zusammenhang mit esoterisch-spirituellen Techniken stehend) eine ärztliche bzw. therapeutische Tätigkeit durchgeführt. Manche Energetiker tragen auf ihren Werbefotos weiße Kittel, posieren neben ihren Behandlungsliegen und haben Bilder des menschlichen Körperbaus an ihren Wänden. Aber nein – Niemand will damit Arzt spielen und es geht nur um das Lösen von „Blockaden“. Offiziell.

Werden anderen Kleingewerbe wie Fuhrdienst, Entrümpelungsdienst, Herstellung von Patchworkdecken oder Schneeräumung strenger kontrolliert?

Nein, soweit es mir bekannt ist nicht. Allerdings muss man natürlich auch hier wieder betonen, dass bei den von Ihnen genannten Kleingewerbetypen keine Patienten „behandelt“ werden.
Um festzustellen, ob der Schneeräumdienst meinen Schnee ordentlich geschippt hat, reicht ein Schritt vor´s Haus. Schwieriger wird es, wenn ein Schneeräumer behauptet, er könne mit seinem geöffneten „3. Auge“ im Hochsommer eine Schneeblockade vor meinem Haus spüren, welche er mittels wissenschaftlich widerlegten Methoden gegen Bezahlung entfernen könne.

Wie kann man die scheinbare Steigerung des Wohlbefindens beim Besuch bei Energetikern oder beim Kauf von esoterischen Gegenständen in deren Webshops wie Aura-Schutzkleidung, Lebensmittel-Energetisierungsboxen und ähnlichem erklären?

Man muss sich ansehen, was Naturwissenschaftler, Forscher und Ärzte zur Aurachirurgie, Klangtherapie und ähnlichem sagen: Es gibt keinen Wirkungsnachweis. Wenn wir hierbei von Heilungserfolgen sprechen, dann sprechen wir im besten Fall von einem positiven Effekt der sich bei aktiver Zuwendung einstellen kann. Wir fühlen uns besser, wenn sich jemand um uns sorgt. Anekdoten wie „Meinem Nachbarn hat die Aurabehandlung bei seiner Migräne geholfen“ liefern keinen Wirkungsbeweis. Ähnlich verhält es sich mit Glücksteinen oder Engelspray: Ich habe etwas für mich getan, habe Geld investiert und ich erwarte mir eine Wirkung, also spüre ich sie kurzfristig auch.

Sind die Methoden zur Steigerung des Wohlbefindens nicht egal, wenn sich die Patienten danach besser fühlen?

Es kann gefährlich werden, sich einer adäquaten Behandlung zu entziehen – doch genau das tun viele Patienten, wenn sie von der Medizin enttäuscht worden sind. Dubiose Krebsbehandlungen deutscher Heilpraktiker haben in Deutschland bereits mehrere Todesopfer gefordert. In Österreich sind bis dato zum Glück noch keine Todesfälle bekannt. Zudem ist es das Recht des Konsumenten zu wissen wofür er bezahlt. Das Lösen von Blockaden, das Entwickeln von Meridianen oder das Stärken einer geschädigten Aura – das sind Probleme, die wissenschaftlich und medizinisch betrachtet gar nicht existieren. Der Konsument hat das Recht darauf zu wissen, dass das wofür er zahlt unwissenschaftlicher Humbug ist. Fühlt er sich besser durch die Zuwendung die ihm widerfährt, dann soll man das auch ganz klar so nennen und diese Art der Behandlung nicht mit Begriffen aus der Medizin schmücken oder ihr Phantasienamen geben. Wenn wir Anekdoten als Maßstab nehmen und wir persönliche positive Erfahrung als Heilmethode gelten lassen, dann können keine klaren und seriösen Grenzen mehr gezogen werden. Immerhin hat jeder Irrsinn wahrscheinlich irgendwann irgendjemanden geholfen.

Daher:

Wissenschaft als Maßstab –
kein Gewerbeschein für Humbug!

Um als Konsument im Sumpf des Unsinnes den Überblick bewahren zu können!

Unterstützer werden

Andrea Walter (Gründungsmitglied) und
Michael Jachan (Gründungsmitglied)

Kontakt: keingewerbescheinfuerhumbug@yahoo.at

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